2026: Verbundenheit wagen

Das Jahr 2026 ist nun gut 2 Wochen alt. Erst vor Kurzem haben wir noch Weihnachten und das neue Jahr gefeiert. Bei uns steht noch der Christbaum (wie immer mindestens bis Lichtmess!), aber den Adventskranz habe ich heute abgehängt –  und es fühlte sich gut an.

Wir beginnen also nun ein neues Jahr und wie immer ist das eine Zäsur, ein Einschnitt. Wir starten das Neue in der Hoffnung, dass “dieses Jahr aber wirklich mal alles besser werden muss.” Nach einem 2025 – (die krasse Auflistung der globalen Probleme erspare ich uns), das auf so vielen Ebenen versagt zu haben scheint, wird es wohl auch höchste Zeit!

Alles soll besser werden! Ein Neujahrswunsch, der sich jedes Jahr wiederholt. Ist es sein frommer Wunsch? Ein zahnloser, ohnmächtiger Gedanke? Ich kann mich noch sehr gut an den Spruch meiner Eltern aus den Achtziger Jahren (eine geradezu paradiesische Zeit, wenn wir zurückblicken – oder doch nicht?) an Sylvester erinnern: „Das Neue Jahr kann ja nur besser werden!“ Ob es dann subjektiv empfunden wirklich besser wurde oder nicht, wurde nicht evaluiert, sondern der Wunsch einfach am nächsten Jahreswechsel wiederholt.

Der Witz ist: Die meisten Menschen antworten heute auf die Frage, wie es Ihnen geht, mit dieser Tendenz: „Persönlich und im privaten Umfeld geht es mir gut, aber global gesehen mache ich mir große Sorgen, denn unsere Welt kann so nicht weitergehen!“

Ich glaube, viele von uns würden das unterschreiben. Und zwar mit guten Gründen und dem Herzen am rechten Fleck. Klimabewegte Menschen, Leute, die sich für Gerechtigkeit in sozialen und gesellschaftlichen Kontexten einsetzen, Friedensbewegte, religiöse Menschen, jede und jeder, der und die sich einfach eine liebevollere, verbundenere und generationengerechtere Welt wünscht. Und die Probleme sind ja augenfällig und werden uns jeden Tag auf vielen Kanälen auf dem Silbertablett präsentiert.

Die Ironie dabei ist nur: Ja, es gibt große Herausforderungen und globale Bedrohungen, bedenkliche gesellschaftliche Tendenzen und ein knapp werdendes Timing für die Lösung der Klimafrage. Nur: Wenn alle, die zum Besseren unserer Welt beitragen wollen, diese Welt so schlecht reden, wie sie vermeintlich ist, tragen genau diese Menschen – also wir – unbewusst zu den Spaltungsnarrativen bei, von der die andere Seite – und nur sie – profitiert.

Fällt euch was auf? Allein wenn ich hier schreibe: „Die andere Seite“ – das hat schon Spaltungspotential!

Denn es gibt sie nicht: „die andere Seite“. Schön wärs, denn dann hätten wir „den Feind“ identifiziert. Natürlich gibt es Interessensgruppen, Lobbyverbände, Parteien (eine Partei!), Einzelpersonen und Superreiche, deren Agenda wir klug erkennen müssen. Ein Teil dieser Agenda ist jedoch, uns einzureden: `Wir sind alles Individuen, alle mit Einzelinteressen und uns allen geht es zunehmend schlechter.´ Deswegen müssten wir uns wehren gegen die „Anderen“ – meist die sozial Niedriggestellteren – um wenigstens den Status Quo zu halten. Und das alte (a-)soziale Muster funktioniert auch heute noch: Nach oben buckeln, nach unten treten.

Die Ärztin und Politikwissenschaftlerin Gilda Sahebi lädt uns in ihrem brandneuen Buch „Verbinden statt spalten“  (s.u.) dazu ein, die guten, hoffnungsvollen, schönen und bereits erreichten Dinge unseres eigenen und auch des gesellschaftlichen Lebens wahrzunehmen. Und dann sollen wir davon in einer Art Gegenerzählung zum allgemeinen Narrativ „es wird alles immer schlimmer“ mit anderen teilen. So könnten wir ein Gefühl der Verbundenheit stärken und das Wissen, dass es uns nur miteinander – nicht gegeneinander – gut gehen kann, stärken.

Ich halte das für eine gute Spur. Sie ist weder naiv noch geschichtsvergessen, sondern höchst gefährlich: Für alle, die uns auseinanderbringen wollen, weil sie von der Teilung und Entfremdung der Menschen profitieren.

Bereits das römische Imperium handelte nach der Maxime: „Divide et Impera!“ (Teile und Herrsche!). Auf dem Höhepunkt seiner Ungerechtigkeit und Anmaßung und der Unterdrückung missliebiger Minderheiten (z.B. der Christen) zur Zeit des Kaisers Domitian um 90 AD hörte der Seher Johannes diese Worte aus dem Munde Gottes:

„Siehe, ich mache alles neu!“ (APK Joh, 21).

Es ist die Jahreslosung für unser Jahr 2026.

Ich glaube nicht, dass wir am nächsten Silvester auf eine komplett andere und bessere Welt blicken werden. Aber als Christen dürfen wir unter der Zusage leben, dass Gott dort Neues entstehen lässt, wo ER/SIE will und wo wir den Keim der Hoffnung teilen können.

Mit frohem, ja trotzigem Mut

Euer Andy Lang

https://www.fischerverlage.de/buch/gilda-sahebi-verbinden-statt-spalten-9783103977158

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